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Allgemein

Abenteuer Chile

1500 Kilometer mit dem Pferd durch Chile (1996)

 

Was mit dem Pferd wollen sie 1000 Kilometer durch Chile reiten?! Sie müssen   verrückt sein, sagte der Mann am anderen Ende der Leitung. Ich rief im   österreichischen Außenministerium an, um die Adresse der österreichischen   Botschaft in Santiago zu bekommen. So oder ähnlich dachten fast alle Leute   und Freunde, denen ich von meinem Vorhaben erzählte. Warum reiten? Warum   von Santiago bis Puerto Montt? Meine Freundin in Puerto Montt könne ich   ja wohl auch mit dem Flugzeug erreichen, sagten viele. Nein (sagte ich), ich   wollte reiten. Wollte etwas Verrücktes machen, und nun habe ich den ersten   Schritt getan. Ich bin in Chile gelandet. Am Anfang einer Reise, die zu einem   der größten Abenteuer meines Lebens werden sollte.

Wer heute an Chile   denkt, denkt an die Atacama, die große Wüßte im Norden, oder   an Torres del Paine, den herrlichen Nationalpark im Süden. Den Osorno am   Lago Llanguihue oder den Fischmarkt von Puerto Montt. Nur wenige kennen die   Gegend zwischen Santiago und Puerto Montt. Doch auch hier hat dieses faszinierende   Land, daß sich über 4000 Kilometer vom Norden nach Süden erstreckt   und doch manchmal nicht breiter als 200 Kilometer ist, einiges zu bieten. Diesen   unbekannten Streifen Land zwischen Santiago und Puerto Montt wollte ich mit   dem Pferd für mich erforschen. Die österreichische Botschaft in Santiago   war mehr als hilfsbereit. Der Botschafter Dr. Rennauer und seine Mitarbeiter   waren von meiner Idee begeistert. Sie halfen mir wo sie nur konnten. Über   Delfin, den Fahrer der Botschaft konnte ich ein Pferd kaufen. Ein Schwarzer   Wallach. Ein Kreole, wie er typisch ist, hier in Chile. Ich taufte in Amigo.

Ich gebe zu, nicht sehr einfallsreich, doch einen Freund konnte ich auf dieser   Reise aber wirklich brauchen. Und so stieg ich am 14. Dezember in Marchihue   (südwestlich von Santiago, wo ich Amigo erstand) in den Steigbügel,   zog meine Baseballkappe tief ins Gesicht um mich vor der brütenden Hitze   ein wenig zu schützen, warf einen letzten Blick zurück nach Norden   und dieses phantastische Abenteuer konnte beginnen. Am ersten Tag ritt ich gerade   mal 10 Kilometer weit. Mein Gepäck, das ich in Form eines Rucksackes hinter   dem Sattel quer über verstrebt hatte, machte sich immer wieder selbständig   und so mußte ich öfters stehen bleiben um es neu zu versorgen. Die   Landschaft hier in Zentralchile war sehr karg und trocken. Ähnlich dem   südlichen Mittelmeerraum. Erschwerend kam noch hinzu, daß es letzten   Winter kaum geregnet hatte. So waren mächtige Flüsse zu kleinen Tümpeln   verkommen. Und ich hatte manchmal Schwierigkeiten genügend Wasser für   mein Pferd zu bekommen. Die Landschaft war trotz der Hitze phantastisch. Endlose   menschenleere Sandstraßen, wo nur alle paar Kilometer eine kleine Farm   war.

Übernachtet habe ich meist auf einer Weide wo ich entweder nur neben   dem Feuer schlief oder mein kleines Zelt aufbaute, welches sich allerdings noch   als völlig ungeeignet erweisen sollte. Ich ritt immer bis Mittags, dann   sattelte ich mein Pferd ab und versorgte ihn. Nach ca. 2 Stunden Pause ritten   wir dann immer bis in den Abend hinein. Was bedeutete zwischen 8-12 Stunden   am Tag im Sattel und ungefähr 45-53 Kilometer am Tag. Futter kaufte ich   immer unterwegs bei Bauern oder Händlern. Immer gerade für einen Tag.   Denn ich hatte kein Packpferd und konnte ein Limit von 100 Kilo nicht überschreiten,   was sich manchmal aber nicht verhindern ließ. Schließlich war ich    wahrscheinlich der erste, der so eine lange Strecke mit nur einem Pferd versuchte.   Einmal pro Woche versuchte ich in einer Pension zu übernachten, wo ich   auch meine Kleidung waschen lassen konnte. Ein paar Grundstandards der Hygiene   wollte ich doch beibehalten. Schier unendliche Weiten, galt es zu durchreiten.   Ich ritt von Marchihue nach Süden zum Lago Vichuquen (ein See der in einem   grünen Tal lag, das mich an Alice im Wunderland erinnerte) den ich 4 Tage   später erreichte. In diesen 4 Tagen sah ich nur wenige Autos und wenige   Menschen. Hier gab es keine Touristen und die Leute lebten einfach und doch   glücklich und ihre Hilfsbereitschaft stand über allem. Das konnte   ich immer wieder feststellen. Und auch blankes Entsetzen mußte ich erfahren.   Eines Nachts löste sich der Knoten mit dem ich Amigo an einen Baum band.   Als ich aus dem Zelt sah, sah ich wie er sich aus dem Staub machte. Ich rann   in Stiefel und Unterhose hinterher. Ein Bild für Götter, allerdings   vergeblich. Er verschwand in der Nacht. 6 Stunden mußte ich ihn Tags darauf   suchen, mit Hilfe eines Bauern. Wir fanden ihn in der Carabinieristation, wo   er Tags zuvor Hafer bekam. Doch diese 6 Stunden waren die Hölle für   mich.. So erreichte ich nach 4 Tagen und den ersten Aufregungen Vichuquen wo   ich wie ein Triumphator in die kleine Stadt einritt. Von 50 Menschen umringt,   die alle den Gringo sehen wollten der durch ihr Land ritt. Hier konnte ich auch   mich und meine Wäsche wieder einmal so richtig waschen. Eine wahre Wohltat.   Tags darauf ging es weiter über die ersten steilen Anhöhen nach Licanten,   wo ich den ersten intensiven Kontakt mit den einheimischen Nationalgetränk   Pisco (klarer Weinbrand) hatte. Nach zwei Gläsern konnte ich nicht mehr    aufs Pferd steigen.

 

4 Tage später gelang ich über eine alte Fähre,   die mein Amigo nur unwillig bestieg, über den Rio Maule nach Constitution   der ersten größeren Stadt mit ca. 10 000 Einwohnern, wo man mich   im hiesigen Rodeoclub herzlichst empfing und ich auch gleich zu einer Party   eingeladen wurde. Die Chilenen die mir auf dieser Reise begegneten waren alle   begeistert von meinem Vorhaben. Mit dem Pferd durch diese unbekannte Ecke des   Landes. So auch die Leute im Rodeoclub von Constitution. Sie lauschten neugierig   meinen Erzählungen, den Abenteuern die ich bisher erlebte. Erst gegen 3   Uhr früh ließ ich mich erschöpft und ein wenig berauscht vom   Wein auf meinem Schlafsack nieder. Am nächsten Tag sah ich mir Constitution   an. Was ich sah, begeisterte mich weniger. Constitution war eine Industriestadt   mit ca. 20000 Einwohnern was für chilenische Verhältnisse schon viel   war. Die Stadt lebte von einem großen Zellulosewerk dessen Mief über   der gesamten Region hing. Doch auch Freudiges erwartete mich hier. Zum ersten   Mal seit 3 Jahren war ich wieder am Pazifik. Vor drei Jahren in San Francisco   als gewöhnlicher Tourist, und jetzt hier in Chile als Abenteurer. Der Sprung   könnte nicht größer sein. Ich liebte das Meer, und der kühle   und salzige Wind füllte meine Energiebatterien in meinem Körper wieder   vollends auf.

Weihnachten verbrachte ich in Pelluhue einer kleinen Stadt am   Meer. Herrlich war es hier. Freundliche Leute, ein schöner, schier endloser   Sandstrand und 30 Grad im Schatten. Was wollte ich mehr. Amigo und ich kamen   in einer kleinen Pension unter. Ich bekam ein kleines Zimmer und Amigo durfte   am Parkplatz der Pension bleiben. Die Vegetation hatte sich schon merklich geändert.   In Santiago und Umgebung heiß und karg, war die Umgebung hier durch riesige   Pinien und Eukalyptuswälder geprägt. Die Haupteinnahmequelle in dieser   Region. Hier war das Klima schon etwas milder. Es ist als ob man eine Reise   in Süditalien anfängt und über die Farbenpracht der Toscana die   Wälder Osttirols erreichen würde. Von jetzt an ging es 100 Kilometer   am Pazifik entlang. Die Küstenberge schienen an manchen Stellen bis in   den Pazifik zu reichen, so zerklüftet und wild sah es manchmal aus. Gelegentlich   gesellte sich ein Landarbeiter zu mir und wir ritten einige Kilometer gemeinsam,   denn hier hatten die Leute eher Pferde als Autos. Schließlich konnte man   um 500 Dollar ein Pferd erstehen. Ein Auto würde ein vielfaches Kosten.   Ein unbeschreibbares Gefühl der Freiheit durchströmte meinen Körper,   als ich hier ritt. Links die herrlich sanft grünen Hügeln der €Cordillera   de Costa”, vor mir eine kleine Sandstraße die sich durch die Hügeln   schlängelte, und rechts die unendliche Weite des Südpazifiks. Hier   vergißt man alle Probleme der Zivilisation, ja man vergißt sogar   Europa mit seinen vielen Menschen, Autos und Fabriken. Hier genießt man   noch die Natur, wie sie vor ein paar hundert Jahren in Europa ausgesehen haben   könnte. Hier gibt es nur wenige Menschen und mit etwas Glück sieht   man ein paar Seehunde im Pazifik schwimmen. Wo gibt es das noch in Europa? Chile,   ein Land wie ein Paradies. Silvester wollte ich bei einem Freund in Lircen verbringen,   doch ein schwerer Rückschlag vereitelte dies. Mein Pferd hatte in einer   Bäckerei bei Freunden die mich einluden, Weizen gefressen. Als ich es merkte,   war es schon zu spät. Ich versuchte noch bis zum nächsten Tierarzt   zu gelangen doch kam ich nur bis Lircen. Dort war die Reise für meinen   Freund zu Ende. Die Carabinieri verständigten noch einen Tierarzt von Conception,   der zweitgrößten Stadt des Landes nur 16 Kilometer entfernt. Ein   ehemaliger Jockey aus Santiago namens Domingo wohnte in der Nähe der Carabinieristation.   Er bot mir an meinen Amigo in seiner Garage unterzustellen. Er verlor sehr viel   Flüssigkeit und mußte warmgehalten werden. Domingo und der Tierarzt   meinten es würde nicht so schlecht um meinen Amigo stehen. Dr. Torres gab   ihm zwei Injektionen und sagte wie werden sehen wie es ihm am nächsten   Tag gehen würde. Die Familie von Domingo lud mich auch zu der Silvesterfeier   ein. Um Mitternacht gingen die Leute in der kleinen Stadt von einem Nachbarn   zum anderen umarmten sich und wünschten sich ein fröhliches neues   Jahr. Die Kinder verbrannten Strohpuppen die an Querstangen hielten um das neue   Jahr willkommen zu heißen. Die Familie kam anschließend zusammen   und ich konnte meinen Kummer ein wenig im Alkohol ersäufen. Trotz der widrigen    Umstände war es einer meiner interessantesten Silvesterfeiern. Trotz der   Armut der Leute ließen sie mich an allem teilhaben. In einem Haus das   eigentlich nur aus drei Räumen bestand, die dann noch unterteilt waren.   Hier lebten drei Generationen zusammen. Wo gibt es das noch? Ich schwankte erheblich,   als ich gegen 3 Uhr nach meinem Amigo sah. Es ging ihm schlechter. Ich versuchte   ihn noch 30 Minuten zu bewegen, dadurch könne sich vielleicht die Darmverschlingung   (Kolik) lösen. Doch Amigo hatte große Schmerzen, und mir zerriß   es das Herz, als ich sah wie er sich plagte und ich ihn trotzdem zwang sich   zu bewegen. Anschließend versuchte ich auf anraten Domingos ein wenig   zu schlafen. Ein paar Stunden später, um 7, weckte mich Domingo. Amigo   ging es schlechter. Ich rief sofort den Tierarzt in Conception an. Er versprach,   sofort zu kommen. Ich wußte längst, was er mir sagen würde.   Amigo würde sterben. Ich bat den Tierarzt ihn von seinen Schmerzen zu erlösen,   doch er hatte kein Mittel dabei. Er mußte es erst besorgen. Amigo war   inzwischen wahnsinnig vor Schmerzen. Immer wieder versuchte er, mit dem Kopf   gegen die Wand zu laufen. Das Blut rann ihm über sein Gesicht.

Er starb   wenig später einen qualvollen Tod.

 

Noch bevor der Tierarzt mit der Spritze   kam. Noch nie in meinem Leben fühlte ich so einen großen Schmerz   in meiner Brust, als ich weinend den Kopf meines sterbenden Freundes hielt.   483 Kilometer trug er mich durch Chile. Plötzlich wurde mir schwarz vor   Augen. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in meinem Erbrochenen. Ich hatte allerdings   noch Glück im Unglück Ich fiel nach vorne, und so konnte ich daran   nicht ersticken. Ich wußte auch nicht wie lange ich weg war. Als der Tierarzt   mit den Carabinieri eintraf, war ich wieder bei Bewußtsein. Sie organisierten   den Abtransport meines toten Freundes. Ich saß apathisch am Straßenrand   und wollte nur noch nach Hause. Dr. Torres lud mich ein zu seiner Familie. Ich   solle dort ein paar Tage verbringen, bevor ich zurück fliegen würde.   Ich verbrachte eine Woche bei Dr. Torres in Conception. Er und seine Familie   konnten mich wieder seelisch aufrichten. Vor allem Chispie, seine Tochter. Wieder   einmal lagen extreme Gefühle dicht nebeneinander. Tod, Trauer, Verzweiflung,   Hoffnung, Liebe und Zuversicht. Wahrlich ein Abenteuer. Nein ich wollte und   konnte nicht aufgeben. Ich wollte diese Reise bis nach Puerto Montt durchziehen.   Für Amigo. Hier in Conception gab es allerdings keine Pferde. Hier wohnten   300000 Leute. Jede Menge Industrie, Schiffahrt und Handel, aber keine Pferde.   So bestieg ich am 7 Jänner 1997 den Bus nach Temuco, ca. 200 Kilometer   entfernt, mitten ins Indianerland. Dort, so sagte Dr. Torres, würde ich   bestimmt ein Pferd bekommen und er gab mir auch gleich eine Adresse eines Freundes   von ihm, Dr. Krause. Er und seine Frau umarmten mich noch herzlich, und dann   war ich auf den Weg nach Temuco. In Temuco angekommen wandte ich mich gleich   an Dr. Krause, der mich auch gleich am nächsten Tag empfing und mir versicherte   er würde ein geeignetes Pferd für mich finden. In der Zwischenzeit   verbracht ich einen Tag in seiner Ordination und konnte auch seiner Frau, die   ebenfalls Tierarzt war bei der Behandlung ihrer Patienten zusehen. Ihre Patienten   waren Hunde, Katzen, Pferde und Lamas. Auch Kühe wurden versorgt. Und als   sie zu einem Notfall gerufen wurde und ich mitdurfte, konnte ich bei einem Kaiserschnitt   einer Kuh assistieren. Ein wahrhaft einmaliges Erlebnis. Was würde ich   noch alles auf dieser Reise erleben, dachte ich mir. Tags darauf sah ich mein   neues Pferd. Ein kräftiger Brauner. Er gehörte zu einer riesigen Farm,   die der Doktor betreute.

“Machete”.

Für 500 Dollar erstand ich ihn. Die Reise konnte    jetzt weiter gehen. Ich ritt durch das Indianerland Richtung Westen. Mapuche   heißen die Indianer in Chile. Sie galten als sehr kämpferisch und   widerspenstig. Sie sind die einzigen Indianer, die keinen Krieg verloren. Die   Chilenen schlossen 1860 einen Waffenstillstand in Temuco. Ein Denkmal zeugt   heute noch davon. Die Mapuche sind ein sehr stolzes Volk. So ritt ich 10 Tage   durch dieses Land, hatte viele interessante, lustige und lehrreiche Begegnungen,   z.B. mit einem deutschen Missionar, der eigentlich aus Bayern stammt und auch   so aussah. ( 190 groß und ca. 125 Kilo schwer) er war schon seit 37 Jahre   in diesen Land. Mit jungen Mapuche die an einem Seitenarm des Rio Imperials   zelteten. Vorbei am Lago Budi dem einzigen Sazlwassersees Südamerikas.   Über Bahnschienen, die längst aufgelassen wurden und im Nirgendwo   endeten. Wieder am Pazifik entlang über einen schier endlosen Anstieg in   Queule in die 10. Region nach Mehuin, dem schönsten, verträumten Ort,   den ich in Chile sah. Direkt am Pazifik gelegen, vom Wochenendtourismus aus   der 80 Kilometer entfernten Stadt Valdivia lebend. Mit einigen fast kitschigen   kleinen Fischrestaurants, die herrlichen Fisch verkauften. Einer herrlichen   Bucht. Ich konnte mein Zelt direkt am Strand aufbauen. Galoppierte ohne Sattel   am Strand entlang, sog die salzige Luft in mich hinein und genoß den Tag,   den ich mich hier aufhielt. 2 Tage später stand ich wie einst Hannibal   vor den Toren Valdivias. Die schönste Stadt in Chile. Dr. Iampaglia, Österreichischer   Konsul in Chile, wohnte in Valdivia. Er war von der österreichischen Botschaft   in Santiago über mein Kommen informiert worden. Er vermittelte mich an   einen Freund, Dr. Romeny. Er besaß ein riesiges Campo vor Valdivia, wo   er mir anbot, mein Pferd für die Dauer meines Aufenthaltes in Valdivia   zu versorgen. Auch die Presse erwartete mich in dem wundervoll in Mitten von   Sümpfen, gelegenen Herrenhaus. Nach schier unendlichen Fragen und ein paar   Fotos fuhr mich Dr. Iampaglia nach Valdivia, Wo er mir behilflich war, endlich   zu Satteltaschen zu kommen, welche extra nach meinen Plänen und Zeichnungen   genäht wurden. Allerdings dauerte dies eine Woche. Ich nutzte die Gelegenheit   und kaufte ein neues Zelt und einige andere Ausrüstungsgegenstände,   die ersetzt werden mußten. Die Woche Valdivia kostete mich auch eine Menge   Geld. Brauchte ich auf der Tour ansich nur umgerechnet 15 Dollar pro Tag, so   kostete mich eine Woche Valdivia gut 400 Dollar. Allerdings beinhaltet das auch   die ersetzten Ausrüstungsgegenstände. Die Satteltaschen kosteten mich   110 Dollar, noch immer wenig im Vergleich zu dem, was ich in Österreich   für die Dinger zahlen müßte. Astrid und Michael, die ich von   Santiago kannte, besuchten mich in Valdivia. Michael, der für eine deutschsprachige   Zeitung schrieb, konnte jetzt endlich Fotos von mir machen und endlich seine   Story über mein Abenteuer schreiben. Astrid kannte ich aus der Botschaft.   Ich freute mich ebenfalls, sie zu sehen. Wir verbrachten ein paar schöne   Tage mit viel Spaß in Valdivia. Eine Stadt, die immer noch von einem schweren   Erdbeben gekennzeichnet war, welches 1960 stattfand. Damals sank die Erde um   einen Meter ab, was zur Folge hatte, daß riesige Sümpfe entstanden.   Etliche Ruinen zeugen immer noch von der Schwere des Bebens, von dessen wirtschaftlichem   Schlag sich die Stadt bis heute nicht mehr richtig erholte. Eine Woche später   saß ich wieder im Sattel und überquerte die Cordillera de Costa in   Richtung Osorno. 5 Tage später und nach 1000 Kilometern erreichte ich mein   ursprüngliches Ziel den Lago Llanquihue kurz vor Puerto Montt. Ich fühlte   irgendwie eine Leere in mir. Meine Freundin die ich traf, konnte mich auch nicht   aufbauen. Im Gegenteil, sie erzählte mir, daß sie mich eher nicht   mehr sehen will. War irgendwie nicht mein Tag, dachte ich. Machete konnte ich   bei einem Bauer unterbringen. Ich wollte noch nicht nach Hause. Doch wollte   ich auch nicht mehr nach Süden. Obwohl erst Anfang Februar, also Sommer,   war es hier empfindlich kalt. Also wohin dachte ich?

 

2.Teil – 500 Kilometer durch die Anden!

 

Ich fuhr mit   dem Bus zurück nach Valdivia. Ich hörte, daß in der Nähe   von Pucon eine Farm lag, wo man Ritte in die Anden machen konnte. Ich mietete   mir einen Wagen und fuhr dorthin. Schon auf der Fahrt sah ich die Schönheit   der Anden. €Rancho de Caballo” hieß die Farm, die von dem deutschen   Austeigerehepaar Wolfgang und Christa aufgebaut wurde. Auf 800 Meter Höhe,   Am Fuße der Anden in Mitten von 3 Vulkanen lag dieses Paradies. Nach 3   Tagen wußte ich, daß ich diese Gegend mit meinem Pferd erkunden   wollte. So ließ ich um 200 Dollar mein Pferd vom Llanghihue hierher transportieren.   Und so konnte ich am 7. Februar meinen Machete wieder Satteln und aufsitzen.   Was ich dann sah, war unbeschreiblich. Durch riesige Araukarienwälder,   mit Riesen bis zu 50 Meter, die unbesehen 1000 Jahre am Buckel hatten, hinauf   durch die Regenwälder, die so dich sind, daß man keine 2 Meter neben   den Weg gehen konnte, aufs Altiplano (Der Hochebene). Weiter durch Lavafelder,   mit schroffen und teilweise Messerscharfen Steinen. Hinauf bis zu den Schneefelder   des Gletschers, des Mocho”, wie der Vulkan Quetrupillan in der Sprache   der Mapuche heißt. Steil bergauf und steil bergab. Unglaublich, was mein   Pferd leistete. Selbst als wir im dichten Wald in morschen Stämmen einbrachen   oder im Sumpf bis zum Bauch einsanken, konnte ich mich auf ihn verlassen. Noch   nie hatte ich solch ein Pferd kennengelernt. Ich bin ihm zu tiefen Dank verpflichtet.   Atemberaubend auch die Schönheit der Natur hier. Hier sieht man keine Zeichen   einer Zivilisation soweit das Auge reicht. Täler, die nur aus Wäldern   bestehen. Alte Schmugelpfade nach Argentinien. Glasklare Lagunen , Laguna Azul”   (Blaue Lagune). Natur pur! Insgesamt 6 Wochen befand ich mich in diesem Paradies.   Das Campo galt dabei als Ausgangsbasis für meine Erkundungen. Eine eigene   Wasserturbine erzeugte Strom für die kleinen Häuschen des Campos.   Es gab immer warmes Wasser, und Christas Essen gab immer wieder Kraft für   neue Abenteuer. Hier sah ich den Kondor, den König der Anden. Pumaspuren   an einer Furt. Und ein unendliches Gefühl der Freiheit und der Lebensintensität   durchströmte meinen Körper als ich eines Tages auf ca. 1800 Meter  Höhe am Morgen aus meinem Zelt stieg Unten im Tale sah ich dichten Nebel   in den Regenwälder und im gleichen Moment mühte sich die Sonne über   die argentinischen Anden zu überwinden, um auch die Chilenen mit Wärme   zu stärken. Wie in einem Märchen der einsame König, so fühlte   ich mich, als ich diese Szenerie beobachtete, mit der Gewißheit, im Umkreis   von etlichen Quadratkilometer der einzige Mensch in dieser noch unberührten   Natur zu sein. Noch nie sah ich so wenig Menschen, in einem so großen   Land mit so unterschiedliche Vegetationen, in so kurzer Zeit. Nach 6 Wochen   und 500 Kilometer Andenritt, die mich dicht an die argentinische Grenze führte.   Nach insgesamt 15 Wochen Chile und 1500 Kilometern im Sattel, und nach einer   letzten 4 Tagestour, wo mich am letzten Morgen schon schwerer Frost empfing,   nach einem wunderschönen Sonnenaufgang in den Anden, wo sich das Morgenrot   herrlich auf dem Gipfel des Villarica (ein ständig aktiver Vulkan der immer   raucht) spiegelte, hieß es Abschied nehmen. Machete konnte ich auf dem   Campo unterbringen wo er den Winter über gut verpflegt wird. Ich wußte,   daß ich hier noch einmal herkommen würde. Um eine neues Abenteuer   zu beginnen. Denn hier muß man einfach einmal in seinem Leben herkommen,   um diese letzte unberührte Natur zu erleben. Einfach die Zivilisation hinter   sich lassen. Einfach die Natur intensiv erleben. Einfach in den Sattel steigen   und los reiten. Alles hinter sich lassen, um vieles neu kennenzulernen. Nicht   zuletzt sich selbst. Hier in den chilenischen Anden, zwischen dem Kondor und   dem Puma. Ein letztes Stück unberührte Natur. Ich komme wieder, das   wußte ich, als ich am 20 März in die Maschine nach London stieg.   Ich hatte feuchte Augen. Soviel hatte ich erlebt. Vor allem meinem Pferd konnte   ich nicht genug dankbar sein. Meinem Amigo, dem ich dieses Abenteuer widme,   und meinem Machete, der mich selbst in dem unwegsamsten Gelände nie im   Stich ließ und immer ruhig blieb. Ihnen gilt mein größter Dank.

 

Hasta   luego” in Chile!